Festabend 300 Jahre barocke Hauptkirche

Mit dem Vorgängerbau um 995 zählt die Evangelische Hauptkirche in Wiesbaden-Biebrich zu den ältesten Kirchen der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Der Turm von 1496 als erster Hochbau markierte den Aufstieg vom Fischerdorf zum späteren Industrievorhafen Frankfurts. Das romanische Kirchlein wurde 1710-1716 zur barocken Hauptkirche erweitert. Da entstanden die wunderschönen Malereien von italienischen Wandergesellen und dem „Goethemaler“ Daniel Bager. Die Evangelische Hauptkirche wurde zum Muster für weitere Kirchbauten in der Region!
1990/91 wurde diese Farbenpracht in aufwendiger Arbeit von Restauratorin Andrea Frenzel und Partnern wieder hergestellt. Viele Besuchende kommen zur Evangelischen Hauptkirche, um dieses Kulturdenkmal zu besichtigen.

Anlässlich des 300. Jahrestages der Weihe der barocken Hauptkirche Wiesbaden-Biebrich fand dort am 17. November ein festlicher Abend statt. Ortschronist und Kirchenvorsteher Peter-Michael Glöckler berichtete über die turbulenten Arbeiten jener Zeit. Er wurde musikalisch unterstützt von Helmut Fintl und dessen Freunden mit Parforce-Hörnern.

 

 

Rückblick: Tag des Denkmals 2016

Peter-Michael Glöckler mit Akteuren

Auch in diesem Jahr nahm die Hauptkirche wieder am Tag des offenen Denkmals teil

Rückblick: „Bilders+urm“ – Kunst- und Kanzel-Gottesdienst in der Hauptkirche

Kunst in der Kirche (Foto: E. Gaede)

Ein Riesenbilderturm vor dem Altar – eingebettet in die für die Hauptkirche so typischen zahlreichen „Wort-Kassetten“. Ein ungewohnter und zugleich provozierender Gegensatz, stimmig und zugleich irritierend. Die Kirchen der Reformation, die Kirchen des Wortes, so Pfarrerin Claudia Strunk in ihrer Begrüßung, sind dabei, die Kraft der Bilder neu zu entdecken. Sie bieten neue Wege für religiöse Erfahrungen. Dabei erinnerte sie auch an die Bilderstürme vergangener Zeiten und den Missbrauch von Bildern.
Der außergewöhnliche Gottesdienst am 1. November begann mit der Betrachtung eines von Grautönen beherrschten, aber von Goldtönen und der Farbe Weiß durchdrungenen  Kreuztriptychons des Künstlers Eberhard Münch aus Biebrich durch den katholischen Theologen und „Wortkünstler“ Stefan Herok, der maßgeblich diesen Gottesdienst konzipiert hatte: „Ein raumgreifendes Kreuz, ein kirchenfüllendes Kreuz – an das Kreuz dürfen wir uns nienienie gewöhnen, es mussmussmuss eine Zumutung bleiben für unseren Blick.“ Pfarrerin Claudia Strunk machte, ausgehend von einem alten Text des Propheten Jesaja zum leidgeprüften „Gottesknecht“ deutlich, wie aktuell das „Kreuz ist“, wenn Menschen ein dunkles Tal durchschreiten müssen: das kann eine plötzliche Arbeitslosigkeit, der Verlust eines geliebten Menschen, ein bedrohlicher medizinischer Befund oder das Schicksal vieler heimatloser Menschen sein.
Dann kam der Blick auf einen Text aus dem Neuen Testament, auf den Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom. Der Römerbrief war für Martin Luther ein Schlüsseltext. Seine Frage damals lautete: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Dabei ging es um die sogenannte „Werkgerechtigkeit“ – durch gute Werke von Gott angenommen zu werden. Die zentrale, auf Paulus fußende reformatorische Erkenntnis durch Luther lautete: Wir Menschen sind – völlig unabhängig von irgendwelchen guten Werken – so wie wir sind von ihm angenommen und geliebt. Claudia Strunk machte deutlich, dass Luthers Frage eine zeitgebundene war; so fragen wir heute nicht mehr. Vielmehr fragen wir, wie wir von den Menschen, die in unserem Leben, im Beruf wie im Privaten bedeutsam sind, wie wir von diesen gnädig und mit Wohlwollen angesehen werden. Aber auch das kann zu Unfreiheit, zu Zwängen führen. Luthers Einsicht von der bedingungslosen Liebe Gottes zu uns kann auch von diesen innerweltlichen Zwängen befreien. Aus diesem glaubenden Vertrauen heraus können dann, so Stefan Herok, auch gute Werke entstehen. Das in vielen Religionen praktizierte Opfer, um einen Gott oder Götter gnädig zu stimmen, stecke noch in uns drin, so führte Stefan Herok aus. Entscheidend sei, bei allem guten Tun oder auch beim Darbringen eines Opfers, „in der Liebe zu bleiben“.
In der Einladung zu dem Gottesdienst hieß es „Ein Gottesdienst in Bewegung“. Nach der Betrachtung des Bildes folgte die Gottesdienstgemeinde der Einladung, zu dem nur wenige Schritte entfernten Atelier von Eberhard Münch zu gehen. Dort erwartete die Besucher das zweite Kreuztriptychon: ein von hellen Rot-, Gelb- und Goldtönen beherrschter „Bilderturm“. Ein österliches Bild, das das Graue(n) des ersten Triptychons überwunden hat.
Der Gottesdienst wurde musikalisch gestaltet von Stefanie Tettenborn (Mezzosopran) und Markus Fischer am Klavier. Die Lesungen hatte Kirchenvorsteher Tobias Naber übernommen.
Nach dem Gottesdienst führte Eberhard Münch in seine Arbeit ein und machte sein Anliegen deutlich, mit den Mitteln der modernen Malerei Menschen das Christentum nahezubringen. Anschließend gab es die Möglichkeit, das Atelier des Künstlers zu besichtigen und bei Kaffee und Gebäck miteinander ins Gespräch zu kommen, was auch ausgiebig genutzt wurde. (Text: Ernst-Georg Gäde)

 

 

Rückblick: „Strahlendes Blech – klingendes Lob“

Posaunenchor (Foto: E. Gaede)

Unter diesem Motto gestaltete der Posaunenchor des CVJM Biebrich unter der Leitung von Kilian Düring am 14. November 2015 eine geistliche Abendmusik in der Hauptkirche, zu der Pfarrerin Claudia Strunk die zahlreichen und erwartungsvollen Besucher begrüßte. Beeindruckend war die große musikalische Bandbreite des Programms. Es begann mit der schwungvollen „Intrade“ des 1958 geborenen Kirchenmusikers Ralf Gössler. Beschwingte Melodien des französischem Komponisten Jean-Philippe Rameau (1683 – 1764) leiteten über zu einer Komposition von Michael Prätorius (1571 – 1621), in  der französische Tänze – wie das Ballett, die Courtante oder die Bourrée – zusammengestellt sind. Das bekannte Kirchenlied „Verleih uns Frieden gnädiglich“ gab es dann in der Version von Prätorius, von Hans Leo Hassler von Roseneck (1564 – 1612), Komponist und Uhrmachen, und Johann Sebastian Bach (1685 – 1750). Martin Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott“ kam in verfremdeter und dennoch eingängiger Weise in einer musikalischen Neubearbeitung des Komponisten Thomas Riegler (geb. 1965) daher, ergänzt durch eine eher klassische Deutung durch Heinrich Schütz (1585 – 1672), einem Komponisten des Frühbarock. Dann wurde es musikalisch wieder moderner: Der evangelische Dekanatskantor Raimund Schächer (geb. 1960) hatte eine einfühlsame Neuinterpretation des Kirchenlieds „Bleib bei mir, Herr! Der Abend bricht herein“ komponiert, die auf der Melodie des englischen Komponisten William Henry Monk (1823 – 1889) beruht. Den Abschluss bildete die mitreißende „Halleluja Suite“ des deutschen Kirchenmusikers und Komponisten Gustav Gunsenheimer (geb. 1934).

Holger Wittgen (Tuba) erinnerte in einem kleinen Vortrag an die Geschichte der geistlichen Abendmusik, die besonders von dem dänisch-deutschen Komponisten und Organisten Dietrich Buxtehude im 17. Jahrhundert in Lübeck zu einem musikalischen „Renner“ gemacht wurde, und daran, dass die Musik und das Kirchenlied „das effizienteste Werbeinstrument für die Reformation“ war.

Mit einer nachdenklich stimmenden wahren Geschichte von einem alten Franzosen, dem es mit einfachsten Mitteln gelang, in den kargen Cevennen ein riesiges Waldgebiet ins Leben zu rufen, setze Claudia Strunk noch einen besonderen, Hoffnung spendenden Akzent an diesem Abend. (Bericht: Ernst-Georg Gäde)